REVIEW: XCOM 2 – Ein verbuggtes, aber süchtigmachendes Taktikfest 4

Der Kampf gegen die pösen pösen Aliens geht in die nächste Runde. Nachdem der Reboot XCOM: Enemy Unknown 2012 einschlug wie der Laserstrahl ins Weisse Haus bei Independence Day, war Teil zwei so gut wie sicher. Alte Hasen und Fans des Vorgängers können bedenkenlos zugreifen – nur vielleicht nicht sofort.

XCOM 2 ist grossartig, aber leider auch ein bisschen buggy. Die Spielleistung ist bei mir unterirdisch. Betroffen sind offenbar vor allem Nvidia-Grafikkarten. Mit meinem SLI-Setup (zwei GTX 980) läuft das Spiel in 4K-Auflösung gerade mal mit 40 FPS. Bei den kurzen Zwischensequenzen kommt man sich gar vor, wie Homer beim Dia-Abend von Patty und Selma. Das Steam-Forum ist voll mit Beschwerden. Keine Frage: Das Meiste davon wird in absehbarer Zeit ausgemerzt. Aber einmal mehr zeigt sich, dass man es sich zwei mal überlegen sollte, ein Spiel beim Launch zu kaufen. Meinen Spielspass trübt es dennoch nicht. Darin sind mit mir auch die Steam-User einig und vergeben derzeit das Prädikat „Grösstenteils Positiv“.

XCOM-2-Ranger

Unter den Gegnern findet man zahlreiche alte Bekannte. Meist noch tödlicher als zuvor.

Aber worum geht es in XCOM 2 überhaupt. Der Kampf gegen die Aliens wurde verloren und die grünen Männchen haben einen orwellschen Überwachungsstaat aufgebaut. Mit Guerilla-Taktik kämpft man als Teil des Widerstands gegen die Unterdrücker. Am Spielprinzip hat sich auf den ersten Blick nicht viel verändert. Erneut besteht das Spiel aus zwei Teilen. Den rundenbasierten Missionen, auf die man bis zu sechs Soldaten mitnehmen kann und dem Aufbau-Teil, bei dem es darum geht, die Basis auszubauen, Upgrades zu kaufen und neue Technologien zu erforschen.

Verbesserungen an allen Ecken

Entwickler Firaxis hat massiv nachgebessert. Unzählige Fähigkeiten, Waffen und Ausrüstung bringen enorm viel Abwechslung und taktische Möglichkeiten aufs Schlachtfeld. Mit Drohnen lassen sich beispielsweise Mitspieler heilen, Gegner angreifen oder feindliche Roboter hacken. Neue Nahkampfwaffen machen in kürzester Zeit Hackfleisch aus den Gegner – oder aus den eigenen Mitstreitern, falls man am scharfen Ende des Schwertes steht. Wie in Battlefield lassen sich ganze Gebäude mit genug Sprengkraft dem Erdboden gleich machen. Wo zuvor eine massive Backsteinwand Feuerschutz bot, bleibt eine Runde später nichts mehr übrig als ein Häufchen Asche. Jede Runde beginnt man getarnt. Theoretisch könnte man so bis zum Missionsziel schleichen. Oder man macht es wie ich und umringt die erste Gegnertruppe und deckt sie mit Kugeln ein. Bringt den Vorteil, dass einem niemand in den Rücken fällt.

xcom-maps

Wer zu lange in der Nähe brennender Objekte steht, fängt Feuer, musste ich schmerzhaft feststellen.

Die Aliens sehen dabei nicht untätig zu und haben ihre eigenen Reihen deutlich aufgerüstet. Zahlreiche neue Rassen werden euch das Leben richtig schwer machen. Besonders fies ist die Viper. Eine Mischung aus Kobra und Alien die euch in Gift-Wolken hüllen kann, oder mit der Zunge einfängt und anschliessend zerquetscht.

Wird nicht gerade Jagd auf Aliens gemacht, fechtet man in der Basis den ewige Kampf um mangelnde Ressourcen aus. Kauft man lieber das neue Plasmagewehr oder doch lieber einen Stromgenerator? Funkstationen bräuchte es auch dringend und ständig tickt die Uhr. Denn die Aliens basteln ihrerseits an einer tödlichen Superwaffe. Schaffen sie es, das sogenannte Avatar-Projekt fertigzustellen, ist Ende im Gelände.

Die Übersichtskarte hat etwas von Civilization und ist nun deutlicher interaktiver.

Die Übersichtskarte hat etwas von Civilization und ist nun deutlicher interaktiver.

Auf der neuen taktischen Weltkarte über der bedrohlich der Avatar-Countdown prangt, fliegt man zu neuen Aufträgen, Scannt nach Ressourcen und frischem Personal oder man schwingt mal wieder beim Schwarzmarkt vorbei. Alles kostet Zeit. Kritikpunkt: Man blickt oft nicht ganz durch, welche Missionen sofort erfüllt werden müssen und welche man aufschieben kann, oder ob sie dann für immer verloren sind.

Wahnsinnig umfangreicher Charakter-Editor

Mein persönliches Highlight von XCOM 2 sind die extrem umfangreichen Möglichkeiten, die eigenen Soldaten zu designen. Von verschiedenen Kopfbedeckungen, Rüstungsmustern bis zur Körperhaltung kann jeder seine ganz individuelle Truppe zusammenstellen. Das Design lässt sich speichern, falls mal ein Krieger ins Gras beisst oder wenn man ihn mit anderen Spielern teilen möchte.

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So sieht meine Truppe aus. Bunt sortiert, damit man sie im Gefecht leichter erkennt und benannt nach Freunden, was das Spiel noch amüsanter macht.

XCOM 2 hat mich wieder genauso gepackt, wie vor vier Jahren der erste Teil. Immer gibt es etwas Neues zu erforschen, die Basis auszubauen oder Aliens zu verkloppen. XCOM 2 übertrumpft den Vorgänger in jeder Hinsicht. Sobald die technischen Stolpersteine aus dem Weg geräumt sind, steht dem uneingeschränkten Spielvergnügen nichts mehr im Wege.

XCOM 2 ist erhältlich für PC und wurde uns von 2K zur Verfügung gestellt.